Erich Kästner – Das andere Ich

„So selbstverständlich es für mich immer war, Schriftsteller zu werden, so fernab von diesem Wunsch und Plan und Ziel lag mir der Gedanke an Kinderbücher.“ (Erich Kästner)

Auch wir haben als Kinder „Das fliegende Klassenzimmer“, „Emil und die Detektive“ und „Das doppelte Lottchen“ gelesen, geradezu verschlungen – unter der Bettdecke, im Lichtkegel einer Taschenlampe. Heute fragen wir, wer ist Erich Kästner, der Mann, dessen Gesicht uns im hinteren Buchcover immer angelächelt hat? Welcher Mensch steckt hinter der heiteren, witzigen und bisweilen aggressiven Fassade? Was hat es mit „seinem Doppelgänger“ und dem „anderen Erich“ auf sich, von dem er immer wieder spricht und schreibt?

News

  • 12/2016 - "Erich Kästner - Das andere Ich": Erstausstrahlung an Silvester 2016

    Unser aufwändig produziertes und mit hochkarätigem Cast besetztes Doku-Drama „Erich Käsnter – Das andere Ich“ feiert am 31. Dezember um 16:50Uhr [...]

    Unser aufwändig produziertes und mit hochkarätigem Cast besetztes Doku-Drama "Erich Käsnter - Das andere Ich" feiert am 31. Dezember um 16:50Uhr auf ARTE seine Deutschlandpremiere. Auch wir haben als Kinder „Das fliegende Klassenzimmer“, „Emil und die Detektive“ und „Das doppelte Lottchen“ gelesen, geradezu verschlungen – unter der Bettdecke, im Lichtkegel einer Taschenlampe. Heute fragen wir, wer ist Erich Kästner, der Mann, dessen Gesicht uns im hinteren Buchcover immer angelächelt hat? Welcher Mensch steckt hinter der heiteren, witzigen und bisweilen aggressiven Fassade? Was hat es mit „seinem Doppelgänger“ und dem „anderen Erich“ auf sich, von dem er immer wieder spricht und schreibt?



Erich Kästner – Das andere Ich

Auf den ersten Blick erscheint Erich Kästner ein griffiger und durchschaubarer Mensch zu sein: Ein pfiffiger Skeptiker, der alles, was er sagt und schreibt, mit einem Augenzwinkern begleitet. Ein lyrischer Pulsmesser der Zeit, der nie aufhören will zu glauben, „dass die Menschen besser werden könnten, wenn man sie oft genug bittet, beleidigt und auslacht.“ Und ein begnadeter Kinderbuchautor, der wie kein anderer die Großstadtsprache und den Lebensraum von Kindern belauscht und fixiert. Mit klarer Sprache und nüchternem Humor entführt er Kindern und Jugendliche in den 1920er Jahren in die Welt der Literatur – genau wie heute.

Der Film „Erich Kästner – Das andere Ich“ ergründet die Welt eines Mannes, der jahrzehntelang am
Abgrund lebt und schreibt. Der Blick überrascht: Bereits als Kind hält er seine depressive Mutter vom Selbstmord ab. Ein Ausbilder schindet den Rekruten Kästner während des 1. Weltkriegs so sehr, dass er einen Herzschaden bekommt. Im Berlin der 1920er Jahren durchlebt und erlebt der Autor Kästner ein entfesseltes Jahrzehnt mit Ausschweifungen, Straßenkämpfen und Wirtschaftsmiseren. Als die Nazis seine Bücher und Gedichte verbrennen, steht er unerkannt auf dem Berliner Opernplatz und schaut zu, die geballte Faust in der Manteltasche. Doch Erich Kästner bleibt in Hitlers neuem Deutschland, will Zeitzeuge werden, um später darüber zu schreiben. Es wird ein Tanz auf dem Vulkan.

Während er im Dritten Reich unter Pseudonym die Unterhaltungsindustrie bedient und zeitweise mit den Teufeln am selben Tisch sitzt, schreibt er Skizzen für die Schublade. Es sind erschrockene Selbst-befragungen eines Mannes, der spürt, dass er dabei ist, seine Integrität an die Machthaber zu verlieren. „Er war tot und lebte weiter“, so Kästner über seinen Doppelgänger in seinem „Blauen Buch“. Er spürt schon bald, dass er nicht mit einer blütenweißen Weste aus dem Schlamm der Geschichte auferstehen wird. Das ist der Schatten, mit dem er überleben muss.

Im Nachkriegsdeutschland schreibt Erich Kästner keinen großen Zeitroman über den Nationalsozialismus. Er schafft es nicht – die Bilder aus den KZs machen ihn ohnmächtig und zeitweise sprachlos. Stattdessen sammelt er Material und Zeitungsausschnitte zum Thema „Doppelgänger“. Das Wissen, sich im Dritten Reich verbogen zu haben, lässt ihn geradezu versteinern. Er greift zum Alkohol und verstrickt sich in Frauengeschichten.

In den 1960er Jahren scheint Kästner klarzuwerden, dass er zwar im Nazideutschland geblieben ist, doch nichts geschrieben hat, dessen er sich zu schämen braucht. Vom Alkohol kommt er nicht los, er findet aber wieder Worte. Mit Reden gegen die Wiederbewaffnung warnt er die Menschen in der Bundesrepublik vor den Verführungen eines totalitären Regimes. Die Menschen hören ihm zu, Junge und Alte. Instinktiv erkennen seine Zuhörer, dass dieser lächelnde Mann mit dem Augenzwinkern mehrmals in seinem Leben in den Abgrund geschaut hat. Seine Leser spüren bis heute das Doppelgründige und die historischen Verwerfungen in seiner Biografie unter der griffigen Oberfläche. All dies macht Erich Kästner zu einem der interessantesten Schriftsteller des vergangenen Jahrhunderts, dessen Werk bis heute die Menschen fesselt.

Erich Kästner: Matthias Bundschuh
Luiselotte Enderle: Lisa Wagner
Ida Kästner: Henriette Schmidt
Emil Kästner: Tomas Spencer
Corneila Battenberg: Clelia Sarto
Erich Ohser: Daniel Nerlich
u.v.m.


Buch und Regie: Annette Baumeister
Regieassistenz: Florian Schwombeck
Kamera: Johannes Straub
2. Kamera: Tom Bresinsky
Kameraassistenz: Max Rainer
Ton: Hagen Waechter
Schnitt: Carsten Piefke
Schnittassistenz: Malte Hadeler
Kostüm: Stefanie Jauß
Kostümassistenz: Carlotta Richter, Gina Jauß
Maske: Melanie Krieg
2. Maske: Maitie Zilius
Obereleuchter: Niko Mölter
Beleuchter: Hendrik Römer
Musik: Nils Kacirek
Grafik: Stefan Matlik, Eike Wichmann
Sprecherin: Marina Behnke
Mischung: Sascha Prangen
Ausstattung/Szenenbild: Dennis Duis, Daniel Nowak, Sven Schmidt
Archiv: Agentur Karl Höffkes, Bundesfilmarchiv, Deutsches Literaturarchiv Marbach, Erich Kästner Archiv (Nachlass Luiselotte Enderle), Getty Images, Ullstein Bildarchiv, La Camera Stylo, DVD - Emil und die Detektive, 1931, MFA+, DVD - Pünktchen und Anton, 1953, MFA+, DVD - Die Konferenz der Tiere, 1969, MFA+, DVD – Das doppelte Lottchen, 1951, MFA+, DVD - Münchhausen, 1943, Transit Film GmbH
Fachberatung: Prof. Dr. Sven Hanuschek, Peter Beisler
Idee: Grit Merten
Redaktionsassistenz: Juliane Pohl
Produktionsleitung: Melanie Clausen (NDR), Stefanie Nowak (GBF), Lilly Hartmann (GBF)
Produktionsassistenz: Samuel Maasho
Producer: Ira Beetz, Onno Ehlers
Produzent: Reinhardt Beetz
Redaktion: Ulrike Dotzer (NDR), Monika Schäfer (NDR/ARTE), Birgit Keller-Reddemann (WDR)

Koproduktion

Kooperation

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Förderer

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  • Erich Kästner – Das andere Ich

    arte
    31. Dezember 2016 um 16:50 Uhr

  • Erich Kästner – Das andere Ich

    SRF 1
    14. April 2017 um 11:55 Uhr

  • Erich Kästner – Das andere Ich

    WDR
    07. Juni 2017 um 07:50 Uhr

  • Erich Kästner – Das andere Ich

    MDR
    06. Juli 2017 um 23:05 Uhr

  • Erich Kästner - Das andere Ich

    SRF 1
    23. Juli 2017 um 11:55 Uhr

  • Erich Kästner - Das andere Ich

    SRF 1
    29. Juli 2017 um 09:55 Uhr

  • Erich Kästner - Das andere Ich

    NDR
    30. August 2017 um 00:00 Uhr