Islands Künstler und die Sagas
Eine Dokumentation von Helga Brekkan
In Koproduktion mit ZDF, Navigator Film, RUV, ORF und Schweizer Fernsehen.
In Zusammenarbeit mit ARTE.
Eisige Gletscher und heiße Quellen, dunkle Wintertage und helle Sommernächte – Island ist ein Land der Extreme. Doch die Insel im Atlantik ist nicht nur ein geologischer, sondern auch ein kreativer Hotspot.
Gäbe es einen Maßstab für Kreativität – wo wäre dann wohl Island im weltweiten Vergleich? Ein Film fernab von Klischees mit echten Einblicken in die isländische Kultur.
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Islands Künstler und die Sagas
Eine Dokumentation von Helga Brekkan
In Koproduktion mit ZDF, Navigator Film, RUV, ORF und Schweizer Fernsehen.
In Zusammenarbeit mit ARTE.
Eisige Gletscher und heiße Quellen, dunkle Wintertage und helle Sommernächte – Island ist ein Land der Extreme. Aber nicht nur die Natur bietet Überraschungen: viele Jahrthunderte alte Sagas, Krimis, exzentrische Videokunst und enigmatische Musik – die isländische Kunst ist einzigartig. Die Insel im Atlantik ist nicht nur ein geologischer, sondern auch ein kreativer Hotspot. Gerade jetzt – nach der harten Finanzkrise – zeigt sich, wie stark die kreativen Ressourcen auf Island sind. Auch wenn der Traum vom großen Geld ausgeträumt ist – die Menschen auf Island haben Phantasie, Poesie und die Fähigkeit gute Geschichten zu erzählen, denn: die Isländer waren die ersten Literaten, die den Menschen in ihren Sagas als Individuum entdeckten, lange vor dem europäischen Ritterroman.
Vor elfhundert Jahren lag Island, eine felsige Vulkaninsel, noch unbesiedelt im Atlantik. Zugvögel waren die ersten Bewohner, die in Scharen kamen, im 9. Jahrhundert folgten ihnen die ersten Menschen. Sie versuchten – trotz des harschen Wetters und extremer Naturbedingungen – heimisch zu werden. Und sie brachten ihre Götter mit, die fortan Himmel und Erde zusammen hielten – wie Óðin, der jeden Morgen mit seinen beiden treuen Raben Huginn und Muninn (Gedanke und Gedächtnis) auf den Schultern über den Morgenhimmel reitet und die Welt erkundet. In der Mitte des 12. Jahrhunderts geschah dann das Wunderbare: die Islandsagas nahmen ihren Anfang. Bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts hinein entstanden etwa drei Dutzend größere Prosawerke und eine Anzahl von kleineren Geschichten. Sie alle erzählen von der Besiedlung Islands, den Menschen und ihren Konflikten. Sie wurden auf Kalbsleder niedergeschrieben und haben den Grundstein für die Entwicklung der nordeuropäischen Literatur gelegt. Heute zählen sie zum UNESCO Weltdokumentenerbe.
Die alten Mythen sind im kulturellen Leben Islands als Spuren heute immer noch präsent. Kein Schulkind, das nicht die Sagas kennt. Straßennamen in Reykjavík sind nach den Sagahelden benannt. Anekdoten aus den Sagas sind als Redewendungen in die Alltagssprache eingeflossen. Die zeitgenössische Literatur, Musik und Kunst wird heute noch beeinflusst vom Mythenschatz.
Die Dokumentation „Kleine Insel, große Geschichten“ vermittelt einen Einblick in die Schaffenskraft der isländischen Kulturszene und ergründet mit einigen ihrer bekanntesten Künstler, Literaten und Musikern, warum Island ein „kreativer Hotspot“ ist und was das mit dem Wesen des Landes und dem Wesen von Kreativität zu tun hat.
Die Protagonisten
Guðbergur Bergsson, Schriftsteller
Die Sehnsucht hat den isländischen Schriftsteller Guðbergur Bergsson als jungen Mann über Islands Küsten hinweg nach Spanien geführt: er studierte in Barcelona, verkehrte in literarischen Zirkeln und lernte Jorge Luis Borges kennen, der zu einem Freund und Bewunderer der isländischen Literatur wurde. Die Sehnsucht führte ihn wieder nach Island zurück zu den alten Mythen seiner Heimat. In den 70er Jahren hat Bergsson auf der Insel Flatey im Westen Islands mit einer Super8-Kamera gedreht, wie er dem heidnischen Fruchtbarkeitsgott Frey seine Gedichte opfert. Die Gedichtsammlung „Flatey-Frey“ von Guðbergur Bergsson aus dieser Zeit ist jetzt auf Deutsch erschienen.
Gabríela Friðriksdóttir, Künstlerin
Die 1971 geborene isländische Künstlerin Gabríela Friðriksdóttir ist eine Grenzgängerin. In ihrer Arbeit, die Video, Bildhauerei, Zeichnung, Performance, Malerei und Schreiben umfasst, zeigt Friðriksdóttir, dass sich das starke kulturelle Erbe Islands nicht negieren lässt. Indem sie auf altnordische Mythologie und isländische Sagas Bezug nimmt, lässt sie Traumwelten entstehen, in denen die Grenzen zwischen dem Geheimnisvollen und dem Natürlichen verschwimmen. Sie erfindet fiktionale Kosmologien, die in der einsamen, melancholischen Landschaft ihres Heimatlandes ihren Ursprung haben, wo Schöpfungsgeschichten, Surrealismus, Horrorfilme und sogar Heavy Metal zusammen kommen. Ihr künstlerisches Werk ist intensiv und beunruhigend, aber es ist auch immer angereichert mit Momenten echter Wärme und Humor. Die alte Sagenwelt spiegelt sich auch in den von ihr verwendeten Materialien: sie arbeitet mit Schlamm, Heu oder Brotteig, ebenso wie mit Pelz, Gips oder alten Holzstücken. Im September 2011 zeigt die Schirn Kunsthalle in Frankfurt eine große Einzelausstellung der Künstlerin.
Erna Ómarsdóttir, Tänzerin/Choreographin
Sie tanzt und schreit, heult und flüstert, zeigt auf der Bühne bedingungslosen Einsatz: Erna Ómarsdóttir gilt als Shooting Star der skandinavischen Tanzszene, 1996 gründete sie das Ekka Dancetheater in Reykjavík und wurde 2006 zur Künstlerin ihrer Heimatstadt Kópavogur gewählt. Die Tänzerin und Perfomance-Künstlerin hat viele gemeinsame Projekte mit Gabríela Friðriksdóttir entwickelt. Erna Ómarsdóttirs Arbeiten bestechen durch Kraft und Charakter, vereinen Stimme, Bewegung und Energie mit den dunklen Seiten des Menschseins. Erna Ómarsdóttir tanzt für uns einen Part aus „Òfaett“ an der schwarzen Küste bei Vík í Mýrdal, die ein Sinnbild für die archaische Kraft Islands ist. Wir reden mit ihr über den Zusammenhang von Natur und Kunst. Der Wildheit und Unvorhersehbarkeit der isländischen Natur. Das Chaos, dem sie in ihren Choreographien Ausdruck und Stimme verleiht.
Dori DNA (Halldór Halldórsson), Bühnenkünstler
Dori DNA ist ein Multitalent: in Rapper-Pose, mit „Friedrich Schiller“-Buch in der Hand und Backvocals von seinem iPod performt er seine Gedichte. Zur Zeit ist er Theaterregisseur beim „Theater Nordpol“ in Reykjavík. In dem Film „Vegamót“, für den seine Mutter Gudny Halldórsdottir Regie geführt hat, war er Creative Director für die Kampfszenen. Ihm, dem Enkel des Nobelpreisträgers Halldór Laxness, scheinen jedenfalls keine Grenzen gesetzt. Er verkörpert in besonderem Maß das junge Island, ein modernes Crossover aus Tradition und Moderne. Und bekennt sich ohne Umschweife als Saga-Fan: „Ich liebe die Njals-Saga. Interessante Intrigen. Skarphedin ist mein Held, weil er wie ein moderner Action-Held ist. Er tötet jemanden, sagt was Cleveres und lacht… dieser schwarze Humor gefällt mir!“
Hallgrímur Helgason, Schriftsteller
Hallgrímur Helgason liefert in seinen Texten ungestüme Grotesken und lässt fulminant-komische Romane entstehen wie „101 Reykjavík”, „Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein” oder „Zehn Tipps das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen”. Meist dreht sich dabei alles um einen gleichermaßen verunsicherten wie größenwahnsinnigen Helden in einer zerrütteten Welt: „In Island haben wir eine besondere Tradition für schwierige Typen. Vermutlich weil Island ein sehr schwieriges Land ist. Alle zehn Jahre gibt es einen größeren Vulkanausbruch. Alle zehn Jahre haben wir einen neuen Berg oder sogar eine neue Insel und müssen Namen dafür finden.“ Die Namens- und Wortfindung hat in Island eine besondere Tradition. Der Charakter der isländischen, „reinen“ Sprache ist das Ergebnis der „Hreintungustefna (Sprachreinheitsbewegung)“, die eine über 400jährige Tradition auf Island hat. Somit hat die isländische Sprache etwas Eigensinniges, Identität stiftendes, aber auch Isolierendes.
Steindór Andersen, Reimensänger
Die Liebe zur Heimat charakterisiert Steindór Andersen, den Meister des „Rímur“-Gesangs. Mit der isländischen Band Sigur Ros entwickelte Steindór Andersen 2001 ein gemeinsames Album, das ein Inbegriff von „Heimat“ ist. Der Vortrag der Rímur erfolgt in einer Art „Sprechgesang“ mit kleinen Melodien aus meist wenigen Tönen und geringem Tonumfang. Die Rímur erzählen von isländischen Helden und Kämpfen und sind über Generationen hinweg mündlich aus dem 14. Jahrhundert überliefert worden. Steindór Andersen erzählt von seinem Wunsch, seiner Heimat eine Stimme zu verleihen, sowie ein traditionelles Handwerk wie die Rímur zu bewahren – als Popmusik der Gegenwart.
Hilmar Örn Hilmarsson, Komponist
Hilmar Örn ist ein isländischer Musiker, der hauptsächlich Filmmusik komponiert, und gleichzeitig Allsherjargoði der heidnischen Glaubensgemeinschaft Asatruar ist. Er erhielt verschiedene internationale Auszeichnungen für seine Filmmusik, unter anderem 1991 den Europäischen Filmpreis für die Filmmusik von „Children of Nature – eine Reise“. Nebenbei veröffentlichte er auch mehrere Alben mit Psychic TV, Current 93 und Sigur Ros. Seit 2003 ist Hilmar Örn Hilmarsson Hochgode (Allsherjargoði) der isländischen Asatruarfelagid einer in Island anerkannten Glaubens-gemeinschaft, die die Religion des germanischen Götterglaubens praktiziert.
Ursula Giger, Übersetzerin
Ursula Giger hat von Anfang an berührt, dass die Isländer einen „so unschuldigen und natürlichen“ Umgang mit ihren alten Sagas und Mythen haben. Man liest aus einer Saga vor und dann diskutieren ein Bauer, ein Automechaniker und ein Dirigent darüber auf gleichem Niveau. Sie studierte in Basel, Zürich und Reykjavík Nordistik und lernte Isländisch. Derzeit ist sie eine der Übersetzer(innen) aus dem hochkarätigen Saga-Übersetzerteam vom S.Fischer-Verlag. Das Ungewöhnliche: sie stammt als einzige Übersetzerin aus der Schweiz, ist Lehrbeauftragte für Isländisch an der Universität Zürich und arbeitet regelmäßig auf Island. Ursula Giger wirft mit uns einen fremden und zugleich vertrauten Blick auf Island.
Idee und Konzept: Helga Brekkan und Annette Brüggemann
Regie: Helga Brekkan
Kamera: Birgit Gudjonsdottir bvk/IKS
Zweite Kamera: Helga Brekkan
Schnitt: Christian R. Timmann
Ton: Tómas Hjaltason
Musik: Hilmar Örn Hilmarsson, Valdimar Jóhansson, Oddný Eir Ævarsdóttir
Mischung: Jörg Höhne
Farbkorrektur: Natalie Maximova
Herstellungsleitung: Kathrin Isberner
Produktionsleitung: Sarah Maret, Nick Pastucha
Producer: Anahita Nazemi
Produzent: Christian Beetz
Koproduzent: Johannes Rosenberger
Redaktion ZDF/ARTE: Kathrin Brinkmann
Archiv: Guðbergur Bergsson, RUV, Icelandic Dance Company, Pegasus Snorri Þórisson
Übersetzungen: Ólafur Guðsteinn Kristjánsson
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Islands Künstler und die Sagas
Literaturhaus - Köln
27. September 2011 um 19.30 Uhr -
Sternstunde Kunst: Islands Künstler und die Sagas
SF1
15. Oktober um 09:55 Uhr -
Islands Künstler und die Sagas
University of Manitoba - Wiinipeg, Kanada
16. September 2011 um 20.00 Uhr -
Islands Künstler und die Sagas
Literaturhaus - Salzburg, Österreich
21. September 2011 um 19.00 Uhr -
Islands Künstler und die Sagas
ARTE
10. Oktober 2011 um 23.05 Uhr -
Islands Künstler und die Sagas
Haus der Berliner Festspiele - Berlin
09. September 2011 um 21.30 Uhr -
Sternstunde Kunst: Islands Künstler und die Sagas
SF1
12. Oktober um 05:30 Uhr -
Sternstunde Kunst: Islands Künstler und die Sagas
SF1
09. Oktober 2011 um 12:00 Uhr -
Islands Künstler und die Sagas
ORF
17. Oktober 2011 um 23.00 Uhr -
Islands Künstler und die Sagas
Literaturhaus - Leipzig
19. Oktober 2011 um 19.00 Uhr -
Islands Künstler und die Sagas
3sat
15. Juli 2012 um 0.45 Uhr -
Islands Künstler und die Sagas
ARTE-Stand, Buchmesse - Frankfurt
13. Oktober 2011 um 17:00 Uhr -
Islands Künstler und die Sagas
Literaturhaus - Hamburg
05. Oktober 2011 um 19.00 Uhr -
Islands Künstler und die Sagas
Literaturhaus - Stuttgart
04. Oktober 2011 um 19.30 Uhr -
Islands Künstler und die Sagas
Literaturhaus - Zürich, Schweiz
03. Oktober 2011 um 19.00 Uhr




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