Jürgen Böttcher – Ma Vie/Mein Leben

Die Portrait-Reihe „Ma Vie/Mein Leben“ auf den Spuren des größten Künstlers der DDR: Der Dokumentarfilmer und Maler Jürgen Böttcher alias Strawalde. Mit seiner Neigung zum Experiment hat er entscheidenden Einfluss auf Künstler nachfolgender Generationen genommen.

News

  • 04/2011 - Premiere von “Jürgen Böttcher – Ma Vie/Mein Leben” auf dem Filmkunstfest MV in Schwerin

    Zu seinem 80. Geburtstag: unser Film „Jürgen Böttcher – Ma Vie/Mein Leben“ von Christian Beetz feiert seine Premiere auf dem [...]

    Zu seinem 80. Geburtstag: unser Film "Jürgen Böttcher - Ma Vie/Mein Leben" von Christian Beetz feiert seine Premiere auf dem Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern, und zwar am 05. Mai um 18:00 Uhr im Capitol Kino!

    Filmkunstfest MV


  • 03/2011 - Berliner Premiere von “Jürgen Böttcher – Ma Vie/Mein Leben” im Martin-Gropius Bau

    Unser Portrait über den DDR-Dokumentarfilmer und Maler feiert am 23. Juni 2011 um 20.00 Uhr im Martin-Gropius-Bau seine Berliner Premiere. [...]

    Unser Portrait über den DDR-Dokumentarfilmer und Maler feiert am 23. Juni 2011 um 20.00 Uhr im Martin-Gropius-Bau seine Berliner Premiere. Im Anschluss spricht Dieter Kosslick (Direktor Internationale Filmfestspiele Berlin) mit Jürgen Böttcher.

    Berliner Festspiele



Jürgen Böttcher – Ma Vie/Mein Leben

Der Dokumentarfilmer und Maler Jürgen Böttcher alias Strawalde zählt zu den größten Künstlern der DDR. Mit seiner Neigung zum Experiment hat er entscheidenden Einfluss auf Künstler nachfolgender Generationen genommen. Jürgen Böttcher gehört zu den Menschen, denen man ihr Alter nicht ansieht –  und doch wird er am 8. Juli 2011 80 Jahre alt. Er ist einer, „der ewig jung bleibt“.

Ein Mann, der drei deutsche Systeme erlebt hat und der mit viel Wut über die Untiefen der deutschen Geschichte spricht. Geprägt von den erschütternden Erfahrungen des Faschismus, enttäuscht von dem System in der DDR, an das er doch so gern geglaubt hätte und das dann seine Werke verbot und seine Freunde ausbürgerte, findet er sich nun wieder in einer neuen Zeit, in der er sich gleichzeitig nicht wirklich wiederfindet. Jürgen Böttcher ist ein Stück deutsche Geschichte, auf eine sehr unangepasste Art und bekennender Antikapitalist.

Der Doppel-Adolf-Grimme-Preisträger Christian Beetz geht mit Jürgen Böttcher an den Ort seiner Kindheit, Strahwalde, in der Oberlausitz zurück und spricht mit ihm über Kindheit und Jugend. Viele Erinnerungen, auch seine Zeit in der Hitlerjugend, sind wieder da – und immer wieder geht es um das Gefühl der Schuld. Sie treffen sich in Böttchers Atelier-Wohnung in Berlin-Karlshorst, Böttcher stellt Bilder vor; Freunde, wie der Leiter der Berlinale, Dieter Kosslick, kommen vorbei.

In der DDR und auch in der BRD der 70er und 80er Jahre war Jürgen Böttcher einer der bekanntesten Dokumentarfilm-Regisseure. Seine Filme waren stilbildend, Orientierungsgröße und heimliches Vorbild für eine ganze Generation deutscher Filmemacher.

Böttcher wurde zu Beginn seiner künstlerischen Karriere als Maler verboten und auch als Filmemacher zum Teil ausgebremst. Trotzdem blieb er in der DDR und ging nicht mit Freunden wie Biermann „rüber“ nach Westdeutschland. Seine unter dem Pseudonym Strawalde  berühmt gewordenen Bilder befinden sich u. a. in folgenden öffentlichen Sammlungen: Nationalgalerie Berlin, Sammlung Deutscher Bundestag im Reichstagsgebäude, Albertinum-Dresden, Dresdner Residenzschloss, Albertina- Wien, Bibliothèque nationale de France, Museum Ludwig, The Boston Public Library.

Nach dem Zusammenbruch der DDR war Böttcher der erste Dokumentarfilmer aus dem Osten, der in den Pantheon der europäischen Filmgeschichte aufgenommen wurde. 1992 erhielt Jürgen Böttcher aus der Hand des Bundesinnenministers das Filmband in Gold für sein Lebenswerk: die höchste Auszeichnung, die der Staat an Filmleute zu vergeben hat. Kurz zuvor hatte er für seinen Film DIE MAUER (1990) den Felix, den Europäischen Filmpreis, für den besten Dokumentarfilm Europas erhalten.

1994 wurde er durch den französischen Präsidenten François Mitterrand mit dem Titel „Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres“ für sein künstlerisches Gesamtwerk ausgezeichnet, 2001 dann das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 2006 wurde er bei der Berlinale mit einer Goldenen Kamera geehrt.

Seine Malerei findet im offiziellen Kulturbetrieb der DDR keine Anerkennung. Ihm wird „Ästhetizismus“ zur Last gelegt. Jürgen Böttcher hat sich die letzten Jahre wieder sehr intensiv der Malerei gewidmet. In seinen Bildern spielt das surreale Element – das Suchen nach einer verborgenen, übergeordneten Wahrheit – ebenfalls eine große Rolle. Trotz der starken Einschränkungen durch das Verbot in der DDR hat er das Malen nie aufgegeben und ist heute international anerkannt. So verkaufen sich seine Bilder aktuell in Asien zu Preisen von über 50.000,- Euro.

Ausschnitte aus seinen Dokumentarfilmen sind „Wäscherinnen“ (1972), „Rangierer“ (1984), „Barfuß und ohne Hut“ (1964) oder „Die Mauer“ (1990) und erzählen Geschichten aus einem, aus seinem anderen Leben, aus einer nunmehr unwirklich erscheinenden Zeit. Auch Beispiele seiner experimentellen Übermalungsfilme „Verwandlungen 1-3“ daraus „Potter’s Stier“ (1981) und aus seinen DEFA- Auftragsfilmen, den sogenannten „Straffilmen“, wie z.B. der „Tierparkfilm“ (1968) werden gezeigt. Sein einziger Spielfilm „Jahrgang ´45“ wird zitiert, um so seinen sehr individuellen Stil, aber auch die Probleme der „jungen  Wilden“ in der DDR exemplarisch zu erzählen, die letztlich zum Scheitern des Systems führten.

Buch/Regie: Christian Beetz

Kamera: Lars Barthel, Thomas Plenert
Ton: Nic Nagel, Agnetha Lang
Schnitt: Lars Späth
Musik: Nils Kacirek

Produktionsleitung: Kathrin Isberner, Philipp Weigold
Redaktion: Ann-Christin Hornberger

Koproduktion

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Kooperation

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  • Jürgen Böttcher - Ma Vie/Mein Leben

    Filmkunstfest MV - Schwerin
    05. Mai 2011 um 18:00 Uhr

  • Jürgen Böttcher – Ma Vie/Mein Leben

    Martin-Gropius-Bau - Berlin
    23. Juni 2011 um 20:00 Uhr

  • Jürgen Böttcher - Ma Vie/Mein Leben

    arte
    03. Juli 2011 um 16:30 Uhr

  • Jürgen Böttcher - Ma Vie/Mein Leben

    arte
    09. Juli 2011 um 06:45 Uhr

  • Tagesspiegel

    Filmporträt zum 80. - Christan Beetz hat für Arte den Defa-Dokumentaristen ins Karlshorster Atelier und sein Heimatdorf in Sachsen begleitet.

  • Märkische Allgemeine

    "Das Filmteam steht mit Jürgen Böttcher auf der Straße. Der Maler entdeckt auf einem orangefarbenen Müllcontainer Schrammen und Kratzer. Begeistert springt er durch das Bild und fordert den Kameramann (Lars Barthel) auf, die abgeblätterte Farbe in einer Fahrt abzufilmen. Beetz legt später Musik unter diese Aufnahmen. Und tatsächlich: auf dem Container tanzen Figuren, korrespondieren Linien und Schraffuren miteinander."