Moderne Ruinen – Kolmanskuppe

1. Kolmanskuppe – Diamanten-Geisterstadt in Namibia

Diamanten haben die urdeutsche Kleinstadt Kolmanskuppe im heutigen Namibia zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur reichsten Stadt Afrikas gemacht. Die Pioniere und Diamantenjäger sind längst verschwunden und die ehemalige Boomtown ist zur Geisterstadt geworden. Langsam kehrt die Wüste und mit ihr die faszinierte Pflanzen- und Tierwelt der Sukkulenten Karoo, der artenreichsten Wüste der Welt, zurück. Die pittoresken Häuser verschwinden im Sand, langsam löscht die Natur die Spuren der Zivilisation und lockt gleichzeitig neue Abenteurer an: Fotografen, findige Reiseanbieter, Touristen.

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Moderne Ruinen – Kolmanskuppe

1. Kolmanskuppe – Diamanten-Geisterstadt in Namibia

Im Jahr 1908 fand der schwarze Hilfsarbeiter der deutschen Reichsbahn Zacharias Lewala bei Gleisreparaturarbeiten einen glitzernden Stein und brachte ihn seinem Vorgesetzten August Stauch. Dieser Zufallsfund war der Startschuss für einen beispiellosen Diamantenrausch in einer der unwirklichsten Gegenden Afrikas, der hunderte Glücksritter, Unternehmer und Arbeiter anlockte. Und mit Kolmanskuppe entstand aus dem Nichts eine moderne, deutsche Kleinstadt mit Postamt, Krankenhaus, Polizeistation, Schwimmbad, Casino, Theater und Kegelbahn. Die Deutschen prägten die Kultur vor Ort. Der Kegelclub „Gut Holz“, Turnfeste und Volkstanzveranstaltungen dominierten das Freizeitleben, die Frauen trugen schicke Seidenstrumpfhosen und die Männer Vatermörder. Und der kleine deutsche Reichsbahnbeamte August Stauch wurde zum Diamantenkönig des Kaiserreiches.  Mit ihm wurde Kolmanskuppe praktisch über Nacht zu einer Stadt der Superlative: Sie galt, berechnet nach Pro-Kopf Vermögen, als reichste Stadt Afrikas, war für 20% der weltweiten Diamantenproduktion zuständig und verfügte über eines der modernsten Krankenhäuser der Region mit dem ersten Röntgengerät in ganz Afrika.

Auf die schnelle Blüte folgte ein schleichender Niedergang. Mit dem Schwinden der Diamantenvorkommnisse verblasste auch der Glanz der bizarren deutschen Kleinstadt mitten in der Wüste. 1954 notierte das Krankenhaus die Entlassung der letzten Patienten, zwei Jahre später verließen die letzten Familien Kolmanskuppe und die einst so reiche Stadt wurde zur Geisterstadt. In der Zwischenzeit hat sich die Wüste einen Teil der Stadt zurückgeholt. Dabei sind viele der bunten Häuser noch eingerichtet, die Kegelbahn wo einst deutsche Offiziere den Reichtum genossen, strahlt in ihrer Verlassenheit gespenstischen Charme aus, während das ehemalige Schwimmbad bereits komplett mit Sand gefüllt ist.

Doch in den letzten Jahren erwacht die Geisterstadt langsam zu neuem Leben. Jahrzehnte als Diamanten-Sperrgebiet nicht öffentlich zugänglich, ist die Gegend um Kolmanskuppe im Jahr 2008 zum Naturschutzgebiet erklärt worden und ist jetzt für Besucher offen. Die praktisch von Menschenhand unberührte Sukkulenten-Wüste Karoo gilt mit mehr als 1.700 Blatt- und 130 Stamm-Sukkulenten als artenreichste Wüste der Welt. Ein Beispiel für den Einfallsreichtum der Natur sind die ‚lebenden Steine‘ (Lithops), deren Wasser speichernde Blätter kaum aus dem Boden hervorstehen und als Steinchen getarnt sind – perfekt geschützt gegen Sandstürme und Fraß der Tiere. Neben den Sukkultenen und den außergewöhnlichen Steinen sind in der Sukkulenten Karoo etwa 80 Wirbeltier-Arten zu Hause. Typische Wildarten sind Antilopen, Springböcke, Strauße, Schakale und braune Hyänen. Unweit von Kolmanskuppe sind auch wilde Pferde zu finden, die allerdings erst 1915 dort angesiedelt wurden. Die Tierwelt der Sukkulenten Karoo ist durch die lange Abgeschiedenheit noch nicht komplett erforscht. So wurden in den letzten Jahren 20 Tierarten entdeckt, die es nur dort gibt. Der Nationalpark mit seiner bizarren Attraktion Kolmanskuppe lockt heute Touristen, Zoologen und Abenteurer an, Fotografen aus aller Welt beginnen den gespenstischen Ort mit der unberührten Natur zu entdecken. So entsteht im Niedergang der modernen Ruine gleichzeitig eine neue Perspektive für die Menschen, die teilweise noch aus nächster Nähe Aufstieg und Fall der Diamantenstadt erlebt haben.

Otto Goerke, dessen Großvater in den 40er Jahren in Kolmanskuppe im Casino gearbeitet hat, organisiert Tagesausflüge für Touristen, sogenannte „Ghost Town Tours“. Er engangiert sich für den Erhalt der verlassenen Stadt, die mehr und mehr von Sanddünen verschlucht wird.

Obie Fraser ist Fotograf, der vor ein paar Jahren selber auf der Suche nach der Vergänglichkeit aus dem fernen Kapstadt nach Kolmanskuppe gekommen ist. Mittlerweile verkauft er “Photo Permits” an liquide Hobbyfotografen, die durch einen Seiteneingang bei Sonnenaufgang in die Geisterstadt dürfen, um dort bei besonderem Licht die Stimmung in der modernen Ruine einzufangen.

Manni Asheeke ist dem Ruf der Wildnis gefolgt, die sich Kolmanskuppe langsam zurück holt. Vor einem guten Jahr hat er sich in Lüderitz niedergelassen, wo er für die Naturparkverwaltung arbeitet und schrittweise die Tier- und Pflanzenwelt wissenschaftlich erfasst. Er wird uns über den Film verteilt in die außergewöhnliche Tier- und Pflanzenwelt in und um Kolmanskuppe einführen und uns diesen einzigartigen Lebensraum aus der Perspektive der Natur eröffnen.

 

Buch und Regie: Reinhild Dettmer-Finke
Kamera: Sven Kiesche
Schnitt: Johannes Hiroshi Nakajima
Ton: Woitek Majewski
Musik: Eike Hosenfeld, Moritz Denis, Tim Stanzel
Graphik: Susanne Radelhof
Herstellungsleitung: Kathrin Isberner, Susanne Heinz
Produktionsleitung: Sarah Maret, Nick Pastucha
Producer: Anahita Nazemi
Produzent: Christian Beetz
Redaktion ZDF/ARTE: Marita Hübinger, Caroline Auret

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