Prestes Maia – Freiheit in Beton

Prestes Maia erzählt von den größten Kontrasten zwischen Arm und Reich in Lateinamerika. In diesem Film geht es um ein Bollwerk der Unterschicht – „Prestes Maia“, in dem sich 468 Familien auf 22 Stockwerken, 1379 Bewohner und 1379 Geschichten versammeln. Das Haus wurde von ihnen besetzt, doch die Räumung ist unabwendbar. Trotzdem kämpfen die Bewohner weiter.


Prestes Maia – Freiheit in Beton

Sao Paulo ist Globalisierung. Im größten Wirtschaftsstandort Lateinamerikas könnten die Kontraste zwischen Arm und Reich kaum größer sein. Die 20-Millionen-Metropole will ganz nach oben und den Menschen ganz unten bleibt nur eine Chance: Sich zusammenschließen und kämpfen, um den Anschluss an die Megastadt und ihre aufstrebende Gesellschaft nicht zu verlieren.

Mitten im Zentrum der größten Stadt Brasiliens steht das Bollwerk der Unterschicht – „Prestes Maia“, das größte besetzte Haus Lateinamerikas mit 468 Familien auf 22 Stockwerken, 1379 Bewohnern und 1379 Geschichten. Einer von ihnen ist Lamartine Brasiliano. „Prestes Maia ist ein Aufschrei nach Freiheit“, sagt der kleine drahtige Mann, der als Wasserverkäufer an einer Ampelkreuzung das Geld für sich und seine siebenköpfige Familie verdient. „Wir sind arm, aber wir existieren“, sagt der Familienvater kämpferisch. Und das Symbol des Kampfes ist “Prestes Maia”.

Den Mächtigen und Reichen ist das besetzte Haus ein Dorn im Auge. Für Geringverdiener und Obdachlose soll es keinen Platz im Zentrum geben. Zwischen Glitzerfassaden und Hubschrauberlandeplätzen soll nichts an die Probleme der Unterschicht erinnern. Und deshalb muss „Prestes Maia“ ein Ende gesetzt werden: Es wird verhandelt und die Stadtregierung räumt im Frühsommer 2007 das Gebäude. Die Bewohner werden über das Stadtgebiet verteilt. Und damit ist die stärkste Waffe der Hausbesetzer zerstört: Ihre Gemeinschaft. Aber die Bewohner geben nicht auf.

„Prestes Maia – Freiheit in Beton“ zeichnet sehr privat die Geschichten der Hausbesetzer nach. Tiefe Einblicke in starke Persönlichkeiten lassen Risse und Wunden einer aufstrebenden Gesellschaft verstehen. Wenn Ivanete de Araújo zu der Brücke zurückkehrt, unter der sie lebte, bevor sie sich entschloss, Häuser zu besetzen und dabei von ihren Erinnerungen überrollt wird; wenn Lamartine mit seiner Frau durch die gespenstisch leeren Gänge von „Prestes Maia“ wandelt und sich wünscht, in sein altes Paradies zurückzukehren; wenn der Städteplaner Eduardo Trani im Helikopter erhaben über die Hochhauswüste Sao Paulo schwebt und dabei von „interessanten Zusammenschlüssen von Elendsvierteln“ erzählt; dann wird plötzlich verständlich, was sich hinter dem einfachen Wort „Würde“ versteckt.

„Prestes Maia –Freiheit in Beton“ ist ein sehr persönlicher Film, mit intensiven Geschichten im aktuellen gesellschaftlichen Kontext.

Regie: Jonas Ginter, Levin Peter, Marla Fee Wilke
Buch: Levin Peter, Jonas Ginter, Albrecht Schuch
Dramaturgie: Ira Beetz
Kamera: Levin Peter, Florian Pfeiffer
Ton: Albrecht Schuch, Luise Walter de Souza
Schnitt: André Nier
Mischung: Dirk Schwibbert
Sprecher: Nadja Schulz-Berlinghoff, Olaf Boden
Brita Sommer, Matthias Scherwenikas
Producer: Thomas Fischer
Produzent: Reinhardt Beetz
Redaktion: Martin Pieper

Koproduktion

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  • Prestes Maia

    Cicero Galerie - Berlin
    14. April 2008 um 00:00 Uhr

  • Prestes Maia

    FIPA Festival - Biarritz, Frankreich
    20. Januar 2009 – 25. Januar 2009

  • Prestes Maia

    arte
    05. September 2011 um 02:50 Uhr