Sind wir der letzte Dreck?

Im Sog der Weltwirtschaftskrise schlittert die hochmoderne Wadan Werft trotz voller Auftragsbücher in die Insolvenz. Tausende Menschen werden entlassen und eine ganze Region bleibt zerrüttet zurück. Der Film begleitet drei Schiffbauer durch das Jahr und hinterlässt ein eindringliches Portrait, das die persönlichen Erschütterungen einer für viele abstrakt gebliebenen Krise erlebbar macht. Denn die Schweißer spüren schmerzlich: Härter als die Arbeit ist es, sie zu verlieren.

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  • 02/2013 - Erstausstrahlung "Sind wir der letzte Dreck" auf arte

    Der mit dem Kamerapreis 2011 ausgezeichnete Kinofilm „Wadans Welt“ von Dieter Schumann wird als 52minütige Fernsehfassung „Sind wir der letzte [...]

    Der mit dem Kamerapreis 2011 ausgezeichnete Kinofilm "Wadans Welt" von Dieter Schumann wird als 52minütige Fernsehfassung "Sind wir der letzte Dreck" erstmals im Fernsehen zu sehen sein: am 28. Februar 2013 um 23 Uhr auf arte. Das eindringliche Portrait dreier Schiffbauer macht die für viele abstrakt gebliebene Weltwirtschaftskrise erlebbar.


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    Wadans Welt – Von der Würde der Arbeit


Sind wir der letzte Dreck?

Die Hansestadt Wismar an der deutschen Ostseeküste. Seit Jahrhunderten werden hier Schiffe gebaut. Heute lebt fast jede dritte Familie direkt oder indirekt vom Schiffbau. Die Wadan Werft ist eine der modernsten Werften der Welt, und der ganze Stolz der Region. Von 4000 Mitarbeitern werden in 12 Monaten 3100 arbeitslos sein. Chronik einer Krise.

Mit diesen eindringlichen Worten wird gleich zu Beginn des Films der erzählerische Rahmen gesetzt, in dem Regisseur Dieter Schumann die drei Schiffsbauer Roland „Knolle“ Lindner, Christian Ratsack und Roland Dreier durch das Jahr begleitet, in dem die hochmoderne Wadan Werft mit vollen Auftragsbüchern im Sog der Weltwirtschaftskrise in die Insolvenz schlittert, und tausende Mitarbeiter entlassen werden.

Der Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet für die betroffenen Arbeiter weit mehr als den Verlust des Einkommens. „Zum Schiffbauer musst man geboren sein“, sagt Roland Linder, besser bekannt als „Knolle“: Schiffbauer ist ein stolzer Beruf, der über Generationen weiter gegeben wird, er hat mit Würde und Qualität zu tun und prägt die Identität der ganzen Küstenregion. „Das ist wie ein Familienbetrieb“, merkt Auszubildender Christian Ratsack an. Sein Vater war schon als Schiffsbauer hier, sein Opa ebenso.

Schließlich werden 3100 Schiffbauer ihren Arbeitsplatz verlieren. Den restlichen 900 werden befristete Arbeitsverträge zu einem Hungerlohn angeboten. Von unseren drei Protagonisten wird zunächst Roland Dreier wieder eingestellt, Wochen später erhält auch Roland „Knolle“ Lindner ein Arbeitsangebot – zu stark verschlechterten Konditionen. Mit gemischten Gefühlen nehmen sie ihre Arbeit wieder auf, während Christian Ratsack arbeitslos bleibt und vom Arbeitsamt gesagt bekommt, dass „es als Schiffsbauer keine Zukunft geben wird“. „Das ist wie im Dschungel. Wer stehen bleibt, der hat verloren”, sagt der Insolvenzverwalter mit nüchternem Zynismus.

Der Verlust der Arbeit trifft das Wertgefüge, teilt Menschen in scheinbar Überlegene und Verlierer, in Menschen mit Arbeit und in Menschen ohne Arbeit. Und in Menschen die trotz Arbeit nicht mehr davon leben können, so wie einer der Leiharbeiter auf der Werft, der für 700-800 € monatlich wieder eingestellt wurde. „Knolle“ bringt die Wut der Schweißer auf den Punkt: „Sind wir hier eigentlich der letzte Dreck?“ Die Männer spüren schmerzlich: Härter als die Arbeit ist es, sie zu verlieren.

Regisseur Dieter Schumann, der selbst in jungen Jahren jahrelang „auf See“ war, gelingt es, durch seinen persönlichen Bezug zu den Schiffbauern, eine ungewöhnliche Nähe und Intimität mit den Arbeitern zu schaffen. Auf Augenhöhe begegnet er den Schweißern und macht die persönlichen Erschütterungen einer für viele abstrakt gebliebenen Krise erlebbar.

Kameramann Rainer M. Schulz wurde 2011 mit dem Deutschen Kamerapreis für den Film geehrt. Die Jury lobte seine „glaubwürdige Kameraarbeit, die Nähe schaffe, ohne aufdringlich zu sein“. Wie Günter Wallraff in seiner Laudatio festhielt: „Dieser Film ist ganz nah dran, [er] ist eine ganz realistische Schilderung und trotzdem voller Poesie.“

Ein sehr eindringliches, persönliches Spiegelbild der weltweiten Krise.

Regie: Dieter Schumann
Buch: Dieter Schumann, Jochen Wisotzki
Kamera: Rainer M. Schulz
Ton: Rainer Maria Viltz, Arne Papenhagen
Schnitt: Gudrun Steinbrück, Christian R. Timmann
Musik: Nils Kacirek
Sounddesign und Mischung: Roman Vehlken
Farbkorrektur: Urban Vucer
Produktionsleiter: Ruth Stegemann
Filmgeschäftsführung: Daniela Schöne
Technische Leitung: Philipp Weigold
Herstellungsleitung: Kathrin Isberner
Producer: Georg Tschurtschenthaler
Produzent: Christian Beetz
Koproduzent: Dieter Schumann
Redakteur: Martin Pieper (ZDF/arte)

Koproduktion

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  • Sind wir der letzte Dreck?

    arte
    28. Februar 2013 um 23:00 Uhr

  • Wadans Welt

    ABATON-Kino, Allende-Platz 3 - Hamburg
    23. Februar 2014 um 11:00 Uhr