Superwoman

Spanien, am 9. Juni 1933: Aurora Rodriguez, politische Aktivistin, Kämpferin für soziale Gerechtigkeit und Frauenrechte, greift zu einer Pistole und erschiesst ihre schlafende 18-jährige Tochter Hildegart. Danach sucht sie ihren Anwalt auf und stellt sich der Polizei. Sie begründet die Tat damit, dass ihr Projekt, Hildegart zu einer Erlöserin, Befreierin, zu einer „Superwoman“ aller Frauen zu erziehen, gescheitert sei.


Superwoman

Anfang 1914 schaltet Aurora Rodriguez eine Annonce in der lokalen Zeitung ihres spanischen Geburtsorts El Ferrol: sie sucht einen Mann, der sie schwängert, ohne sich weiter in ihr Leben einzumischen. Neun Monate später kommt Hildegart in Madrid zur Welt. Aurora, der selbst keine Bildung zuteil wurde, sieht in ihrer Tochter ein Projekt zur Erfüllung ihrer eigenen unbefriedigt gebliebenen Wünsche. In den turbulenten Jahren vor und während des 1. Weltkrieges, als sich quer durch Europa neue, moderne Gedanken verbreiteten, hatte sich Aurora immer stärker für Themen wie Eugenik, Frauenemanzipation sowie soziale und sexuelle Reformen zu begeistern begonnen; ihre Tochter Hildegart soll eine politische Aktivistin werden und sich für eine Verbesserung der sozialen Lebensbedingungen zum Fortschritt der menschlichen Rasse, allen voran der Frauen, einsetzen. Hildegarts präzise geplante Erziehung beginnt am Tag ihrer Geburt. Gemäß Auroras Wunsch entwickelt sie sich zu einem lenkbaren Werkzeug ihrer Mutter.
Hildegart ist 12 Jahre alt, als sie ihren ersten Essay über die Rolle der Frau schreibt. Es folgen Auseinandersetzungen mit sexueller Erziehung, Hygiene und anderen gesellschaftspolitischen Themen, die schon bald in Zeitschriften mit sozialistischer Ausrichtung veröffentlicht werden. 1933 schließt Hildegart ihr Jurastudium erfolgreich ab und führt die sozialistische Jugend in Madrid an.
Je berühmter Hildegart wird, umso größer ist ihr Streben nach Unabhängigkeit. Sie entgleitet der Kontrolle ihrer Mutter zunehmend. Als sie sich schließlich in den britischen Schriftsteller und als Verführer bekannten H.G. Wells verliebt und ihre Studien bei ihm in England fortsetzen will, kommt es zu einer Auseinandersetzung mit ihrer Mutter. Diese erklärt ihr utopistisches Projekt für gescheitert und erschießt ihre Tochter im Schlaf.
Der Feature-Dokumentarfilm PROJEKT:SUPERWOMAN verspricht eine emotionale Reise in Tabuzonen zwischenmenschlichen Seins und provoziert sensible Fragen zu Ethik, Erziehung und Moral, Themen, die auch knapp 80 Jahre nach dem tragischen Tod Hildegarts insbesondere vor dem Hintergrund aktueller Debatten über neue Eliten, Kindererziehung und Präimplantationsdiagnostik (PID) nichts an Relevanz verloren haben. Die Geschichte von Hildegart und Aurora wird anhand verschiedener Elemente erzählt; Animationen und dokumentarische Sequenzen verschränken dabei Vision und Realitäten.
Die Geschichte der beiden Frauen ist der breiten Öffentlichkeit durch den Roman „Auroras Anlass“ des österreichischen Schriftstellers Erich Hackl aus dem Jahr 1987 bekannt. Das Buch wurde in 15 Sprachen übersetzt und wurde mit dem ZDF Aspekte Literaturpreis ausgezeichnet.

Koproduktion

Lotusfilm_Logo